Elke Sauer meldete den Flashmob an.

Grimma. Etwa 200 bis 250 Kinder, Jugendliche und Eltern beteiligten sich am heutigen Montag am kurzfristig angekündigten Flashmob gegen die Kürzungen im Jugendhilfebereich. Die sächsische Staatsregierung hat rückwirkend zum 1. Januar 2010 die Förderung pro Kind und Jugendlichem um 27 Prozent von 14,30 Euro auf 10,40 Euro heruntergeschraubt.

Thorsten Wanke sieht das dicke Ende erst noch kommen. Im Gespräch mit dem GrimmaBlog erläutert der Leiter des Naunhofer Kinder- und Jugendhauses “Oase 26″: “Die wahren Auswirkungen werden wir erst Mitte des Jahres zu spüren bekommen. Die ganzen Träger der Jugendhilfe haben ja mit dem normalen Satz gerechnet und entsprechend für das Jahr kalkuliert.” Doch auch unabhängig von der Kürzung findet er die Förderung skandalös niedrig: “86 Cent pro Jugendlichem und Monat für Jugendhilfe, Sozialarbeit, Drogenprävention, Jugendeinrichtungen und so weiter – damit kann man nicht arbeiten!”

Grimmas Stadtjugendpflegerin Elke Sauer, die die Kundgebung auf dem Markt angemeldet hat, sah das ähnlich: “Es wird immer behauptet, die Jugend wäre unsere Zukunft.” Doch wenn es um die Finanzierung gehe, werde das Problem beiseite geschoben.

UWV-Vorsitzende Ute Kniesche forderte eine andere Prioritätensetzung.

Entrüstet zeigt sich auch Ute Kniesche, Fraktionsvorsitzende der Unabhängigen Wählervereinigung im Kreistag. Sie forderte indirekt eine Finanzstrukturreform: “Uns wird immer wieder gesagt, Jugendarbeit gehöre zu den freiwilligen Aufgaben der Kommunen. Gleichzeitig heißt es auch, die Pflichtausgaben machen 90 Prozent der Kosten aus. Dann gilt es doch hier anzusetzen und zu sehen, wie die Pflichtausgaben anders finanziert werden können.” Hier sehe sie vor allem die Landespolitiker in der Pflicht.

Kerstin Köditz spendiert einen Bus zur Demo nach Dresden am 10.3.

Kerstin Köditz, die für die Linkspartei im Landtag sitzt, fühlte sich angesprochen und versprach, sich im Parlament für die Jugendarbeit einzusetzen. Aber auch außerparlamentarisch wolle sie sich engagieren: “Wenn am 10. März die Demo vor dem Landtag ist, spendiere ich einen Bus”, rief sie den Anwesenden zu. Unabhängig von der Demo forderte sie im Gespräch mit dem GrimmaBlog, auf das gesamte Sozialwesen zu schauen: “Sonst sind es Montag die Jugendlichen, die demonstrieren, Dienstag die Rentner, Mittwoch die Behinderten, Donnerstag die Arbeitslosen und Freitag die Schwangeren.”

Pünktlich um 16.16 Uhr ließen die Kundgebungsteilnehmer – darunter auch Grimmas Oberbürgermeister Matthias Berger (parteilos) – dann Seifenblasen in den Himmel steigen: “Als Zeichen für die geplatzten Träume”, wie Tobias Burdukat, Geschäftsführer des Fördervereins für Jugendkultur und Zwischenmenschlichkeit erklärte.

Um bereits vor der Demo in Dresden zu verdeutlichen, wie Ende des Jahres die Auswirkungen der Kürzungen aussehen könnten, gibt es am kommenden Montag, 8. März, von 10 bis 14 Uhr eine Kundgebung auf dem Leipziger Augustusplatz. Gleichzeitig bleiben auch die Jugendeinrichtungen geschlossen. Thorsten Wanke fährt auch mit, die Oase bleibt am Montag zu – hoffentlich nicht für immer.